Fertig! Ein Rückblick auf mein Masterstudium


Hedi Buchner , Wed, 27.08.2014 - 09:30

Als ich im April 2012 mit meinem Arbeits- und Organisationspsychologie Studium anfing, hatte ich noch große Pläne: ich wollte über jeden Kurs mindestens einen Blogbeitrag veröffentlichen, zusätzlich Literatur wälzen, etc.... Aber schon ziemlich bald holte mich die Realität ein: ein Zweitstudium neben der Arbeit verlangt einem doch so einiges ab. Und meine freien Sonntage habe ich dann meistens doch irgendwo draußen verbracht, um Energie zu sammeln.

Vor einigen Jahren, als ich meine ersten Erfahrungen mit Scrum und Scrumeinführungen machte, fing ich an mich umzusehen. Wie könnte ich mich weiterbilden, um zumindest einige, der restlichen Welt (sprich: Nichtinformatikern) bekannte Fettnäpfchen, die einem bei der Einführung einer neuen Arbeitsweise so begegnen, auszulassen? Was bedeutet die Einführung von Scrum in Hinblick auf die restliche Organisation und die Zusammenarbeit mit bpsw. anderen Abteilungen? Für mich war relativ schnell klar, dass man Scrum nicht nur im Teamfokus betrachten kann, sondern in den meisten Fällen tatsächlich eine Weiterentwicklung der Organisation beginnt.

Nach langer Suche stieß ich auf den berufsbegleitenden Masterstudiengang Arbeits- und Organisationspsychologie der bergischen Universität Wuppertal. Diese ist zwar von München aus gesehen nicht unbedingt ums Eck, hatte aber den Vorteil, dass es ein interdisziplinärer Studiengang ist. Noch viel wichtiger war jedoch, dass der Inhalt genau die Themen behandelte, die mich interessierten: Kommunikation, Motivation, Teamdynamik, Führung, Organisationsgestaltung und -entwicklung und komplexe Systeme. Kerngedanke der Arbeits- und Organisationspsychologie ist es, die Balance zwischen Leistung und humaner Arbeitsgestaltung zu finden. Dies geschieht durch die Beschreibung, Beobachtung, Prognose und Veränderung von menschlichen Interaktionen in Organisationen auf individueller, Gruppen- und Organisationsebene.

Die für einen selbst spannenden Themen wurden uns in Seminaren anschaulich nahe gebracht. Ich hatte das Glück in einer relativ kleinen Kohorte ca. 20 tolle Kommilitonen aus allen möglichen Bereichen (HR, Sportwissenschaften, Journalismus, Medizin, Klinikverwaltung, Automobilindustrie, Bank, ...) kennenzulernen. Die Seminare, die 3 – 4 mal pro Semester stattfanden und in denen die verschiedenen Themen praxisnah und auf unsere eigenen Arbeitswelten bezogen vermittelt wurden, waren für mich persönlich sehr wichtig zur Motivation. Obwohl wir uns tatsächlich nur sehr selten sahen, entstand eine sehr enge Gemeinschaft, ohne die ich das Studium wahrscheinlich nicht durchgestanden hätte.

Auch eine völlig neue Erfahrung war das Verhältnis Männer – Frauen. Wohl nicht weiter erstaunlich war ich hier das erste Mal Teil der 80% Mehrheit: Frauen :). Nach mageren 15% Frauenanteil in meinem Erststudium (Diplom Informatik) und gefühlten 0% in den meisten Teams vor meinem Auftauchen ein absolutes Highlight!

Was mir auch sehr gut gefiel, war die Flexibilität des Studiums. Die Themen meiner Hausarbeiten konnte ich alle selbst wählen und hatte daher genügend Möglichkeiten, mich dem Thema Scrum und selbstorganisierten Teams von der wissenschaftlichen Seite her zu nähern. Auch Themen wie Unternehmenskultur, die so nicht im Lehrplan behandelt werden, konnte ich genauer betrachten. Diese zwei Schwerpunkte habe ich dann auch in meiner qualitativen Masterarbeit „Eine empirische Studie über Unternehmenskultur und selbstorganisierten Teams“ weiter vertieft.

Was mir sehr half, genügend Energie und auch den entsprechenden gedanklichen Freiraum für das Studium zu finden, war meine 4-Tage-Woche. Vielen Dank an dieser Stelle meinen Kollegen bei improuv! Sie haben mich vor allem während der Masterarbeitszeit nicht allzu häufig gesehen. Und natürlich vielen Dank an all meine Freunde und meine Familie, die oft Absagen von mir bekamen und trotzdem meine Launen ertragen haben.

Ein berufsbegleitendes Studium ist eine Zusatzbelastung, über die man sich im Klaren sein sollte. Nichtsdestotrotz konnte ich mich Gott sei Dank immer, auch in den Momenten, in denen ich sehr an meiner Entscheidung zweifelte, daran erinnern, wieso ich das Ganze anfing. Ich habe viele neue Ideen und Perspektiven kennengelernt und kann Dynamiken in Gruppen jetzt besser einordnen und somit auch anders darauf reagieren. Durch den berufsbegleitenden Charakter des Studiums konnte ich viel Neues auch sofort umsetzen und in meinen Berufsalltag integrieren, sei es bei der Organisationsentwicklung, auf Teamebene oder in der Zusammenarbeit mit Einzelnen.

 

Wer an meiner Masterarbeit interessiert ist: ich werde die Ergebnisse auf dem Scrum Gathering in Berlin vorstellen. Und ich habe es doch geschafft ein paar Blogs zu schreiben.