Gespeichert von Christoph Mathis am Di, 01/12/2016 - 08:00

 

In SAFe 4.0 sind die Begriffe mit einem Architektur-Präfix wie "Architecture-Epic" durch den Begrifff Enabler ausgetauscht worden. Das sind

  • Architecture Epic
  • Architecture Feature und
  • Architecture Story.

Die Idee ist eine stärkere Fokussierung auf die Wertschöpfung in einem System. Die technischen Items sollen nicht gleichberechtigt mit nützlichen Produkteigenschaften wahrgenommen werden, sondern als - Enabler.

Die Diskussion ist nicht neu in der agilen Welt: wo immer man anfängt, über "technische User Stories" zu diskutieren, erntet man (zu Recht) hochgezogene Augenbrauen: es handelt sich genau betrachtet fast nie um eine User Story. Manchmal ist es ein technisches Feature, manchmal ein Refakturierungs-Task und manchmal ist es sogar nur die bequeme Übernahme aus einer Work Breakdown Structure. Was ist aber die "richtige" Lösung? Wie so oft kommt man einer Lösung im Grossen näher, wenn man sich zunächst ein einzelnes Team betrachtet.

In Scrum gibt es ein Missverständnis: in einem Product Backlog sollten möglichst nur wertschöpfende Elemente stehen - und die formuliert man gern als User Stories. Also formuliert man alles als User Story, ob das passt oder nicht. Das vernebelt aber die Sicht darauf, welchen Anteil an Arbeit das Team auf technische Vorarbeiten für die eigentliche Wertschöpfung legt. Klarer wird es, wenn man drei Arten von Product Backlog Items unterscheidet

  • wertschöpfende Features (optimal: formuliert als User Stories)
  • Refakturierung und Problembeseitigung
  • Voraussetzungen für neue wertschöpende Features schaffen - eben die Enablers

In einem Scrum Team empfehle ich immer, nur die User Stories zu schätzen und fpr die anderen Items Timeboxen zu vereinbaren. Das schärft zum Einen den Blick auf den Trend für den Anteil wertschöpfender Tätigkeit und zum anderen kann man damit den Aufwand für Verbesserungen besser beherrschbar machen. 

In SAFe 4.0 wurde dies nicht nachvollzogen, die allgemeine Planungseinheit bleiben Story Points. Das kann ich verstehen, da in einer grossen Umgebung oft die Planbarkeit recht wichtig genommen wird.

Einen Aspekt der Umbenennung sehe ich allerdings mit einem weinenden Auge: bisher war mit dem Wort "Architcture-Epic" klar, auf welcher Granularitätseben man sich bewegt. Das ist verloren gegangen. Man wird sehen, wie sich das in der Praxis auswirkt.